Wie soll der erste Schultag nach den Ferien beginnen? Haben Sie persönlich eine Vorstellung dazu? Wie würden Sie es machen? Würden Sie versuchen eine gute Stimmung zu schaffen, würden Sie es als “Neustart” sehen, gerade dann wenn es im vergangenen Jahr nicht so gut gelaufen ist? Wie würden Sie es handhaben, wenn Sie einen anderen Lehrer ersetzen und somit neu in eine Klasse kommen?

Jetzt mal ein Beispiel wie es mein Sohn mir am Telefon geschildert hat, kurz und bündig erzählte er mir seine “Highlights” des ersten Schultages:
Sein Klassenvorstand (ein Jungpädagoge) war wohl wieder sichtlich “unrund” und schaffte es sich gleich mal zu beschweren, wie es denn vor der Klasse draussen aussieht. Also gleich mal eine sofortige Missstimmung und auch eine Androhung, dass auch schon am ersten Schultag ein “Eintrag” möglich sei.
Sie können sich also vorstellen, wie die Stimmung war. Mich wundert es nicht wenn dann viele Schüler sagen “schei.. Schule”!

Aber gut, das war ev. ein “Ausrutscher” und man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Immerhin kommt jetzt gleich die neue Lehrerin, weil der Vorgänger in Pension ging. Neue Hoffnung steigt bei den Schülern, gerade weil der letzte Professor so seine Tücken hatte und der Notendurchschnitt in der Klasse zu wünschen übrig lies (übrigens: DER NOTENDURCHSCHNITT IN DER KLASSE IST DIE NOTE FÃœR DEN PÄDAGOGEN!!!!!  Doch das haben viele wohl noch nicht verstanden!!!)
Also jetzt warten auf die neue Lehrerin und da erscheint sie. Alle erheben sich und stehen in der Klasse. Es ist mittlerweile Vormittag. Die Schüler stehen still und warten. Ja, sie sagen nichts, das stimmt. Reaktion der Lehrerin? Sofortige Mahnung in schroffem Ton ob sie denn nicht grüßen können? Verdutzt melden alle gemeinsam “Guten Morgen Frau Professor!” Ätsch, das war jetzt falsch … die Frau Professor in erbostem Ton verkündet, dass es nicht Morgen sei!
Zweiter Versuch: “Grüß Gott Frau Professor!”, doch irgendwie scheint sie immer noch nicht zufrieden zu sein … doch was solls, jede andere Form wäre wohl auch falsch gewesen, vermutlich will sie sich Respekt verschaffen. Ist wohl eine “schlechte Klasse” bei diesem Notendurchschnitt des Vorgängers. Jaja, da muss man hart durchgreifen. Obwohl, es kann ja auch sein, dass das vollkommen normal ist. Vielleicht kommt die süsse Dame aus einem Schwererziehbarenlager. So gesehen war sie ja noch nett, oder?

Naja, tausend Gründe kann es geben, warum es so gelaufen ist. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Kinder nicht nur bzw. nicht immer “Engerl” sind und damit beginnt halt schon das “Problem”. Sie sind auch keine kleine Erwachsenen, was so viele Menschen glauben. Sie sind am Weg sich zu entwickeln und sie müssen probieren. Dazu bedarf es auch liebevollen und starken Persönlichkeiten, denen sie sich anvertrauen können. Da stell ich mir die Frage, ob die Pädagogen von heute dafür fitt sind? Ich glaube definitiv nicht. Ich glaube nicht, dass Lehrer gut oder schlecht sind. Sie sind Menschen wie du und ich und das in einem besonderen Umfeld. Dafür sind nicht alle geschaffen. Wenn die Berufswahl wegen der langenen Ferien die Entscheidungsgrundlage war, dann empfehle ich baldigst einen Therapeuten, einen Berufswechsel oder weitere umfassende Ausbildungen um in diesem Job überleben zu können. Andernfalls ist der Untergang vorprogrammiert. Nicht jeder Mensch hat das “Händchen” andere Menschen zu führen, zu begleiten, ihnen etwas zu lernen. Ich selbst darf auf mehrere Tausend Teilnehmer zurückschauen, die ich größtenteils in Gruppen von bis zu 20 Personen für mindestens einen Tag bis hin zu einwöchigen Ausbildungen begleitet habe. Kann ich mich da mit einem Pädagogen vergleichen? Ev. ja, doch ich habe selten die Chance eine intensive langfristige Beziehung mit meinen Teilnehmern aufzubauen, so wie ein Pädagoge. Ich muss relativ schnell die Stärken und Schwächen erkennen und dort meine Inhalte platzieren. Dazu kommt noch, dass ich Leistung bringen muss, sonst hab ich keine Teilnehmer mehr. Also kann bzw. darf es mir nicht “Wurscht” sein, wie ich mit ihnen umgehe. Gerade in meinen offenen Seminaren ist die Empfehlungsrate bei bis zu 50%. Da frage ich mich, wie hoch wäre die Empfehlunsrate für so manchen Pädagogen? -50%??? Da geht dann in die Richtung “hüte dich vor diesem Menschen …”. Schade doch!

Doch nicht alle Lehrer sind so, es gibt welche die einen anderen Weg einschlagen. Wunderbare Menschen die ihren Beruf als Berufung sehen und sich privat weiterbilden, damit sie noch besser mit ihren Schülern harmonieren können. Denn nur so ist eine ideale Enfaltung der Persönlichkeit des Kindes möglich. Die Gespräche mit diesen Personen sind jedoch leider ernüchternd. Ihr Engagement wird von den Kollegen nicht gewärtschätzt, unverstanden und als nutzlos erachten, auch nach dem Motto “bring ja eh nichts”. Ich höre leider öfters, dass diese Lehrer schon mit Vorfreude in die Schule kommen, schon Tage zuvor bevor der offizielle Schulbeginn startet und sie sind …. ja …. alleine in der Schule. Es ist kein anderer Lehrer in Sicht. Wohl noch im Urlaub oder sonst wo (wohl kaum auf Weiterbildung). Und wenn diese Personen dann mit Engagement und Freude im Kreise der anderen Lehrer sitzen, dann wird schon mal das “komische Grinsen” hinterfragt. Auch ein “dir wird das Lachen schon vergehen” findet ein Gelächter unter den anderen Kollegen. Also mit so einer Einstellung kann es wohl nicht gut gehen.

Man hört auch vom “Krieg mit den Kindern”, von “jetzt muss ich wieder zu dieser Meute” bis hin zu “in einer Stunde hab ich es überstanden”. Ja ist denn die Welt noch normal? Was sind denn das für Lehrpersonen, die solche Sprüche klopfen? Die sehen tatsächlich die Schüler als Gegner?

Da fällt mir sogleich ein Spruch ein: “Achte auf deine Kinder denn sie sind es, die dich ins Altersheim bringen!” Was glauben diese Lehrer, wie sich diese Kinder entwickeln werden? Sind das dann jene Jugendlichen die wir dann in den Zeitungen wiederfinden und als Arbeitslose, als Versager und Sozialschmarotzer? Wir alle tragen an diesem System unseren Teil dazu bei und es obliegt jedem Einzelnen für eine bessere Zukunft etwas beizutragen. Gebt unseren Kindern wieder Hoffnung, sie brauch sie so sehr!

Ich bin von unserem Schulsystem nicht sonderlich begeistert. Da ich selbst seit über 20 Jahren mit der Schulung von Menschen beschäftigt bin, sehe ich einen Bezug zu der “Lehrertätigkeit”. Doch ich war immer in der Privatwirtschaft tätigt und da kann man sich eine “Beamtenstellung” wie in so mancher Schule nicht erlauben. Nur wer Leistung bringt und beim Feedback gut abschneidet, der bleibt. Feedbacks die eine Eins oder Zwei zeigen, sind akzeptabel, alles andere ist nicht vertretbar. Ein “Befriedigend” in der Erwachsenenbildung ist inakzeptabel!!! Ja, vielleicht ist diese Meinung hart und fordernd, doch ich selbst empfiinde es als äußerst leicht erreichbar. Haben Sie persönlich schon mal einen Vortragenden bzw. auch einen Lehrer bzw. Professor erlebt, der sympathisch war, der seine Sache mit Liebe gemacht hat, voller Ãœberzeugung und Engagement? Ja? Und haben Sie bemerkt, dass dieser Mensch auch glücklich und zufrieden gewirkt hat? Sicher doch.

Wäre das nicht ein Rezept für viele unserer Lehrpersonen? Mit Freude und Engagement und als Gegenleistung größtenteils zufriedene Schüler? Ja wenn das so einfach wäre! Ein System das langsam versagt kann man nicht von heute auf morgen ändern, das dauert seine Zeit. Doch je länger wir warten und die Lösung nach hinten verschieben, desto schwieriger wird es und eine Eskallation ist nicht zu vermeiden. Liegt es an unserem Schulsystem?

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem sehr sympathischen Schuldirektor einer Hauptschule. Ich fragte ihn wie zufrieden er mit seinen Lehrern denn so sei? Er meinte, dass
diese ewige Lehrerverschieberitis vollkommen uninteressant sein. Ihm werden Lehrer einfach zugeteilt und mit denen muss er dann zurecht kommen. Ob die jetzt gut oder schlecht, freundlich oder unsympathisch sind ist egal. Seine “Stammmanschaft” ist super und er ist sehr zufrieden, er investiert viel in Weiterbildung und versucht Freundlichkeit, Werte, Ethik und ganz besonders das positive Denken in der Schule zu integrieren. Das geht auch sehr gut. Doch manche Lehrer glauben, dass dies nicht wichtig sei. Er habe eine Lehrerin, wo er sich immer freut wenn diese nicht da ist (sie ist oft krank was er natürlich nicht gut findet, im Sinne von Wertschätzung wünsch er ihr natürlich Gesundheit) und dann kann er ihre Klasse unterrichten. Er hat oft das Gefühl, dass die Schüler dann richtig aufatmen. Leider kann er gegen ihr Verhalten nichts tun. Solange sie sich nichts zu Schulden kommen lässt, kann er sie auch nicht verweisen bzw. eine Versetzung beantragen. Das macht keinen Sinn und ist zu bürokratisch. Die Sache wird sich schon lösen. Viel mehr hätte er gerne das Schweizer System. Da entscheiden die Direktoren welche Lehrer in der Schule unterrichten. Da besteht ein gesunder Wettbewerb der auf Qualität begründet ist. Das wäre für uns auch von Vorteil. Doch bei uns werden die Lehrer einfach hin und her geschoben. Versetzt und wieder rückvesetzt. Der Lehrer von Ort A kommt zu Ort B und der Lehrer von Ort B kommt zu Ort A. Hauptsache der Anreiseweg ist weit genug oder auch mal der Ruf ist fern genug …

Da wundert es mich nicht, wenn wir bei PISA schlecht abschneiden. Ich vermute sogar, dass da noch geschönert wird und die tatsächlichen Werte noch miserabler sind. Was das für unser künftiges Wachstum bedeutet ist keinem so wirklich bewusst. Die Politiker trauen sich nicht drüber, weil die nächste Wahl höchstens vier Jahre entfernt ist und bis dahin muss man optische Wahlwerbung betreiben und ja nirgends anecken. Unsere Politik ist schon lange keine Politik im Sinne der Bürger eines Staates. Mehr eine Modeerscheinung wo die Politiker mehr darauf achten müssen, wie sie in den Medien erscheinen. Bis es uns den Kraen zuschnürt sind die wohl über alle Berge und weg, oder sie müssen sich gerade mal beim Staatsanwalt für ihr vergangenes Verhalten verantworten. Das passt ja auch zu unserem System (… wo der ehemalige Finanzminister gerade mal in die Mangel genommen wird …).

Ich ereinnere mal an dieser Stelle an Dr. Manfred Spitzer, anerkannter Psychologe/Neurologe im Bereich der Gehirnforschung in Deutschland. In seinen unzähligen Vorträgen und Beiträgen – unter anderem in BRalpha – bringt er es mit einem Satz auf den Punkt: “Wenn wir nicht bald was ändern, dann nähen wir in 20 Jahren die T-Shirts für China – das ist kein Scherz, das meine ich wirklich so!”.
Er bringt damit zum Ausdruck, wie sehr wir gerade dabei sind zu verblöden. Wir stopfen egobesessen unsere Kinder voll mit Videos und Egospielen, Kampfszenen, Horrorszenarien, etc. Viele Eltern sind mittlerweile definitiv zu blöde um zu erkennen, dass diese multimedialen Elemente eine massive Veränderung des Verhaltens nach sich ziehen. Jahrelang lassen sie Inhalte zu, jedoch von Jahr zu Jahr haben sie mit den Kindern mehr Probleme. Aggression, Hass, Ärger, Schulversagen, alles ein Ergebnis dieser Inhalte.

Vor etwa vier Jahren betreute ich eine Familie die ein Kind mit schweren epilleptischen Anfällen hat. Die Veränderungen waren gut und bedeutend, die Anfälle reduzierten sich innerhalb von vier Wochen deutlich und das Zusammenleben wurde harmonischer. Doch dann kam die Familie nach Weihnachten auf mich zu und meinte, dass alles nichts genützt hatte. Sie wollten dieses Gerät – was die damalige Linderung ermöglichte – nicht mehr und wollen es zurückgeben und das Geld retour haben. Doch was war geschehen? Warum plötzlich diese Veränderung. Warum jetzt wieder so viele epilleptische Anfälle, sogar noch mehr? Natürlich schlussfolgerte ich, dass da Weihnachten mit im Spiel war und fragte, was der Junge denn alles zu Weihnachten bekommen hätte. Raten Sie jetzt doch gleich mal mit … Ja, es war eine Playstation und ein paar saftige Spiele. Die hat sich dieses Kind dann die ganzen Weihnachtstage reingezogen und die Anfälle kamen retour. Da konnte das Gerät nicht mal mehr kompensieren. Also wie – verzeihen Sie jetzt diesen Ausdruck in Bezug auf diese Famile – blöd muss man sein, wenn das Kind schwere epilleptische Störungen hat, es dann noch mit solchen Spielen zu “füttern”. Glauben Sie, dass dieses “Gehirn” diese rasante Abfolge dieser Spiele tatsächlich “unbeschadet” überstehen kann? Kennen Sie diese “LAN-Partys”, wo zig bis hunderte Jugendliche stunden- bis tagelang am Computer spielen bis ein Sieger über bleibt. Haben Sie schon gehört, dass dabei immer wieder welche wegkippen? Natürlich betrifft das nicht alle die mitspielen, manche halten halt mehr aus und andere halt weniger.

Können wir noch was ändern? Ich denke ja, denn jeder einzelne Mensch hat die Möglichkeit in seinem kleinen Umfeld an Änderungen beizutragen. Wie groß ist Ihre Familie, Ihr Freundeskreis? Überlegen Sie wo Sie persönlich wirken können und wie Sie wirken können. Alles was Sie jetzt tun, bestimmt Ihre Zukunft und die Ihrer Umgebung. Alles was Sie jetzt verschieben kommt in irgend einer Form später in Erscheinung. Es ist mir sehrwohl bewusst, dass nicht jede Änderung Freunde verursacht, doch wenn die Sache mal angepackt ist, dann geht es oft Ruck-Zuck und schon zeigen sich erste Erfolge. Anpacken, jetzt, tun! Warten Sie nicht zu lange und freuen Sie sich, dass jede Änderung die seine Zeit dauert, schneller seine Ergebnisse zeigt als oft vermutet und die Zeit sowieso äußerst schnell vorüber geht. Ein halbens Jahr ist nichts, und so erscheint der Aufwand einer bevorstehenden Änderung oft schon deutlich kleiner. Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor einem halben Jahr begonne, täglich an Ihrer persönlichen Entwicklung zu arbeiten und hätten dabei auch Ihre Kinder positiv beeinflusst. Wo stünden Sie dann heute? Also packen Sie an!

Ihnen meine lieben Leser danke für die Geduld die Zeilen bis hier zu lesen. Ja ich weiß, es ist meine Sichtweise und meine Realität und ich bin für jeden Input und auch jede Kritik dankbar. Denn nur so ist es mir möglich, meinen Horizont zu erweitern.

Noch was, sollten Sie in diesem Beitrag Rechtschreibfehler finden, diese dürfen Sie behalten. Ich brauche sie nicht mehr. Und wenn es Sie stört, bitte wenden Sie sich an meine ehemaligen Schulen und deren Lehrer, sofern diese noch leben … Ach ja, ob und wie gut meine Rechtschreibung ist hat natürlich mit mir zu tun. Ach ja, ich habe vergessen, ich wurde ja als Kind schon als Erwachsener behandelt, der voll und ganz für seine Handlungen einstehen muss und schon als 8jähriger wissen muss, wie wichtig die Schule ist. Das hab ich jetzt ganz vergessen … die Lehrer haben da ja keine Verantwortung und es ist ja nicht deren Pflicht, mir das Lernen schmackhaft zu machen …

Wolfgang Reichl