Das Gehirn arbeitet die ganze Nacht. Es sortiert, lernt, archiviert. Professor Jan Born, Schlafforscher der Uni Tübingen, über Tiefschlaf und Gedächtnis.

Autor: FRANK UFEN | 30.04.2013

Wenn wir schlafen und träumen, ist das Gehirn mit einer ganzen Reihe von Aufgaben wie physische Regeneration, Abbau von Stoffwechselprodukten oder Verdauung beschäftigt. Außerdem läuft das Immunsystem auf Hochtouren. Sie sind der Auffassung, dass das Immunsystem imstande ist, im Schlaf zu lernen?

Born: Dass das Immunsystem lernt und über ein Gedächtnis für Krankheitserreger verfügt, ist lange bekannt: Das Immunsystem kann nur funktionieren, wenn es die Krankheitserreger sofort wiedererkennt, die ihm schon einmal zu schaffen gemacht haben, und wenn es weiß, wie es dann gegen sie vorgehen muss. Unsere Forschung zeigt, dass auch das Immunsystem den Schlaf nutzt, um ein solches Gedächtnis zu formen.
Man weiß relativ genau, was sich abspielt, wenn das Immunsystem mit einem Erreger konfrontiert wird. Ist es zu einer Erstinfektion gekommen, stürzen sich die Makrophagen und andere Abwehrzellen auf die Erreger, fressen sie auf und präsentieren Bruchstücke ihrer Mahlzeit den Lymphozyten. Die Lymphozyten teilen sich dann und bilden im Rahmen dieser Teilungsprozesse neben Zellen, die spezifische Antikörper gegen den Erreger herausbilden, auch Gedächtniszellen, die sich an den Erreger erinnern. Wenn der Erreger also wieder in den Körper eintritt, reagieren diese Gedächtniszellen sehr schnell und können seine Ausbreitung frühzeitig verhindern. D.h. nach der Erstinfektion speichert das Immunsystem Wissen über den Erreger, damit es ihn bei einer erneuten Infektion noch schneller und effizienter bekämpfen kann.

via Lernen im Schlaf | Südwest Presse Online.