19751009_mWen sollte man nun wählen? Die große Zahl der Nichtwähler mag vielleicht einen Frust der Bürger ausdrücken, doch ändern tut sich dadurch überhaupt nichts. Warum? Weil das Wahlergebnis in Österreich auch dann anerkannt wird, wenn nur 500 wahlberechtigte Menschen wählen gehen. Ich hab das selbst nicht geglaubt und habe gleich mal bei der Regierung nachgefragt.

Wenn man die Statistik ansieht, dann war die wohl höchste Wahlbeteiligung bei der Wahl zum Bundespräsidenten im Jahr 1951 mit 97%. Kein Wunder, die Leute hatten den Krieg hinter sich und nahmen ihr Wahlrecht war. Sie wollten mitwirken und bestimmen wer was zu sagen hat. Doch von Jahr zu Jahr sank die Wahlbeteiligung auf bis zu 53,57% im Jahr 2010. Das war die Zeit, wo es allen so richtig gut ging und die Probleme eher im Ausland als im Inland zu suchen waren. Doch Zeiten ändern sich und das Geschehen in der Regierung sollte man nicht ein paar wenigen Entscheidern überlassen. Es wird wieder Zeit, dass jeder wahlberechtigte Bürger in Österreich auch zur Wahl geht. Immerhin geht es um die Zukunft wie Österreich im Ausland angesehen wird. So wie Waldheim mit seiner Vergangenheit damals ziemlich in Verruf geraten ist und außenpolitische Isolation erfahren hat.

Aktuell hört man oft, das geringere Übel zu wählen. Doch wer will schon jemanden wählen, der als geringeres Übel bezeichnet wird. Da mag man doch gar nicht zu Wahl gehen. Man kann jetzt lange darüber diskutieren, ob nicht andere besser oder schlechter gewesen wären, doch egal, jetzt haben wir nur zwei Kandidaten zur Auswahl. Und wenn ich persönlich diese beiden Kandidaten vergleiche dann weiß ich ziemlich genau, wer von beiden sich besser anfühlt und ehrlicher rüberkommt. Es gibt genügend Analysen über die Wortwahl, das Verhandlungsgeschick und die perfekte Rhetorik von Hofer und wie sehr er permanent verhindert (s)eine Authentizität zu zeigen. Und das fühlt sich einfach nicht gut an. Besonders in Erinnerung blieb mir die Aussage „Sie werden sich wundern was alles gehen wird!“. Der „kleine Mann“ der gerne aufschaut zu Herrn Hofer mit seinen Kampffloskeln wird von ihm keine sonderliche Beachtung finden.

Und wer hofft, dadurch die “Guten alten Zeiten” wieder zurück zu bekommen, sollte mal die Bücher recherchieren. Die “Guten alten Zeiten” sind vorbei und vorüber, der Aufschwung, der es der vorigen Generation ermöglichte in dieser Form zu wachsen ist vorüber. Jetzt herrschen andere Zeiten mit anderen Herausforderungen. Und so gut, wie es uns jetzt geht, so gut ging es uns noch nie.

Ich bin dafür und empfehle wählen zu gehen. Egal wen du wählst, entscheide. Es hat keinen Sinn nicht wählen zu gehen und es macht noch weniger Sinn, ungültig zu wählen. Wenn 90% der wahlberechtigten Bevölkerung eine Entscheidung treffen, dann haben wir diese zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Doch wenn eine magere Gruppe von 50 % über das Schicksal von allen entscheiden, dann ist das mehr als traurig.

Da es nicht sicher war, ob ich am Sonntag hier bin habe ich die Briefwahl genutzt und somit schon gewählt. Wähle auch du.